Im vergangenen Jahr sind fast 6000 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland geflüchtet sind, verschwunden. So lautet die beschämende Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage meiner Kollegin Luise Amtsberg und mir. In der Kleinen Anfrage wollten wir unter anderem wissen, wie viele unbegleitete Kinder- und Jugendliche auf der Flucht im vergangenen  Jahr in Deutschland verschwunden sind und woher sie kommen.

Was mit den Kindern und Jugendlichen passiert ist, können wir nur vermuten. Die Bundesregierung weiß nicht, warum die Minderjährigen verschwinden. Ein unhaltbarer Zustand. Wenn Kinder verschwinden, öffnet das Tür und Tor für Missbrauch, Menschenhandel, Kinderprostitution und vielleicht auch Rekrutierung extremistischer Gruppen.

Einer der Hauptgründe für das Verschwinden der Kinder und Jugendlichen ist vermutlich die Weiterreise zu Verwandten. Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass die Jugendlichen legal und unterstützt weiterreisen können – das sieht selbst die Dublin-Verordnung vor.

Auch müssen die Minderjährigen in allen Kommunen kinder- und jugendgerecht versorgt werden. Das gilt sowohl für die Unterbringung als auch für den Zugang zur Schule.  

Die Bundesregierung muss die UN-Kinderrechtskonvention ernst nehmen. Minderjährige Geflüchtete müssen hier in Deutschland endlich vernünftig an Entscheidungen über ihre Zukunft beteiligt werden. Anderenfalls werden wir nicht verhindern können, dass immer wieder Kinder und Jugendliche verschwinden und potenzielle Opfer für Prostitution und Menschenhandel werden.

Die Antwort auf unsere Kleine Anfrage war auch in der Presse. Einen Bericht dazu finden Sie hier.

Beate Walter-Rosenheimer Bild