Es begann in einer sitzungsfreien Woche im März. In Berlin war es noch bitter kalt und ich stand frierend vor den Glasfassaden der Dorotheenstraße 101. Ich wartete darauf pünktlich hineinzugehen, um abgeholt und durch die unzähligen Gänge des Bundestages zu Beates Büro gelotst zu werden.

Das Team nahm mich herzlich auf und begann mich Stück für Stück in die Arbeitsprozesse zu integrieren. Ich erhielt einen Rechercheauftrag zu Unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen – ein Thema welches mir durch meine längere, freiwillige Flüchtlingsarbeit sehr am Herzen lag. Zudem konnte ich meine IT-Kenntnisse bei der Beschaffung neuer Hardware einfließen lassen und begann die Arbeit an meinem eigenen Schreibtisch im Büro.

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Am nächsten Tag besorgte ich mir meinen Dienstausweis. Ohne ihn darf man sich nicht unbegleitet in den Räumlichkeiten des Bundestags bewegen. Mit ihm läuft man durch die Eingangsportale des Reichstages als wäre es der größte und schönste politische Spielplatz der Welt. Auch nach sechs Wochen wohnt dem Moment ein Zauber inne, in welchem man seinen Dienstausweis zückt und durch irgendeine Pforte Zugang zu dem zentralen Organ unserer Demokratie erhält. Ist man einmal drin führen einen unzählige Gänge, Brücken und Tunnel durch alle Gebäude des Bundestages ... zumindest nachdem man sich in der ersten Woche so oft verlaufen hat, bis man jede Ecke kennt. Und das war gut, denn in der zweiten Woche war fürs Verlaufen keine Zeit mehr. Sitzungswoche: Beate kommt morgens, Teambesprechung, Sitzungen und Ausschüsse, zwischendurch Post und Einladungen durcharbeiten und eventuell für Abends noch Empfänge und Vorträge vor- oder nachbereiten.

Hier nahm ich so viele Eindrücke mit wie ich nur konnte: Ich nahm Teil an "Die Fraktion stellt sich vor", saß in Ausschüssen, der Fraktionssitzung, "frühstückte" beim Datenschutzvortrag von Daimler (obwohl dort eigentlich niemand etwas isst) und ging zu parlamentarischen Abenden über Kinderrechte. Überall wo ich Beate begleitete, war es spannend ihr zu zusehen und von ihrer Erfahrungen aus Landtag und Bundestag zu lernen. Dort wo ich alleine war, war es spannend auf sich gestellt zu sein, Gespräche zu führen und Fragen zu stellen und die Erlebnisse in Berichten dem Team weiterzuleiten. Wie viel man von einem Praktikum im Bundestag mitnimmt hängt am Team des MdB, am MdB und an einem selbst. Ich durfte sehr viel mitnehmen.
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Eines Abends war ich in der spanischen Botschaft zur Vorstellung des Academy Cube. Vom Vormittag steckte mir noch eine Plenumssimulation im Deutschen Dom mit anderen Praktikanten in den Knochen. Dort durfte ich als zugeloster Abgeordneter der Linken Gregor Gysi am Redepult geben. Jetzt war ich plötzlich in der edlen spanischen Botschaft. Um mich herum viele Persönlichkeiten von Ministerien, SAP und anderen IT-Konzernen. Ich hatte interessante Gespräche, die mir die Möglichkeit gaben Fragen zu stellen, Kontakte zu knüpfen und Perspektiven auszutauschen. Wenn man am Ende seines Studiums steht und sich fragt, welchen Weg man einschlagen möchte, gibt einem dieser Kontakt sehr viel: Unternehmen, Öffentlicher Dienst, NGO, Politik, Selbstständigkeit? Diese Lebensperspektiven kann man erahnen wenn man ungezwungen mit Leuten spricht, die diese Wege beschritten haben und sich umgekehrt für eine junge Perspektive auf die heutige Welt interessieren.

Eines wird einem sehr bewusst, wenn man im Anzug aus den Räumlichkeiten einer Botschaft oder des Reichstages in den Tiergarten schlendert … etwa, was man sich denkt aber selten durch die Medien spürt …  jeden Tag Politik zu machen ist verdammt anstrengend. Empfänge, Fahrservice und schöne Gebäude sind nett. Dennoch muss man ständig hellwach sein. In jeder Sitzung, in jedem Gespräch … egal ob als Mitarbeiter_in, MdB oder als Praktikant_in (zumindest wenn man etwas mitnehmen möchte). Doch selbst wenn man sehr müde von den Eindrücken abends im Regio sitzt und vielleicht die nächsten Anträge und Tagesordnungen durchtappt, freut man sich irgendwie auf dem den Tag an dem man wieder durch die Pforten des Reichstags hechelt und vom Team die nächsten Aufgaben zugewiesen bekommt.

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Beate Walter-Rosenheimer Bild