Deutscher Bundestag

Jede 3. Frau wird in ihrem Leben mindestens einmal Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt.
25% erleben diese Gewalt zuhause oder in ihrer Partnerschaft. 2 von 3 Frauen erleben sexuelle Belästigung. 24% der Frauen werden Opfer von Stalking.

Die statistisch gefährlichste Zeit im Leben einer Frau ist die Zeit nach einer Trennung. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. In den ersten drei Monaten nach der Trennung ist die Gefahr für die Frauen am höchsten, dass sie umgebracht werden. Rund 130 Frauen werden pro Jahr von ihren Partnern oder Ex-Partnern umgebracht. Das ist der Durchschnitt der Zahlen des Bundeskriminalamtes von 2016 bis 2019.

Ein Problem, das seit langem bekannt ist. Doch es wird nicht genug getan, um die Frauen zu schützen.

Heute ist wieder internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. Der 25. November. Wir denken an diese Frauen, thematisieren diese speziell gegen Frauen gerichtete Gewalt, die so häufig im Femizid endet. Aber getan wird nicht genug!

Angesprochen wird das Thema auch oft nicht mit diesem klaren Wort: Femizid. Aber genau darum geht es leider: Frauen werden aufgrund ihres Geschlechts und der Ausrichtung unserer Gesellschaft an Geschlechterrollen geschlagen, gemobbt, geschubst, beleidigt, beschimpft, vergewaltigt oder im schlimmsten Fall ermordet.

Gewalt gegen Frauen ist kein Kavaliersdelikt! Das passiert nicht „einfach mal so“. Das passiert nicht, „weil der Mann überfordert war, sie hat ihn gereizt.“ Das passiert nicht, „weil der Rock zu kurz war, das Verhalten zu aufreizend“.

Das passiert, weil Frauen in unserer Gesellschaft nicht die gleiche Stellung wie Männer genießen. Häusliche Gewalt kann daher als Konsequenz der strukturellen Ungleichheiten zwischen Mann und Frau verstanden werden. Diese wurzeln in patriarchalen Traditionen, die auch in heutigen - modernen - Gesellschaften noch immer wirken. Darin enthalten sind Männer- und Frauenbilder, die Männlichkeit als Macht, Stärke, Dominanz definieren und Weiblichkeit mit Duldsamkeit, Passivität, Unterlegenheit verbinden.

Damit müssen wir endlich aufräumen! Unser Einsatz gilt einer gerechteren und gewaltfreieren Gesellschaft. Seit Jahren setze ich mich, viele Jahre auch aktiv im Vorstand von „Frauen helfen Frauen e.V.“ in Fürstenfeldbruck, für Frauen mit Gewalterfahrung ein. Als Psychologin und als Politikerin.

Die Verantwortung für die Gewalt kann allerdings nicht nur auf gesellschaftliche Gegebenheiten oder die individuelle Biographie abgewälzt werden. Sie liegt immer auch beim Aggressor, denn zuzuschlagen oder nicht ist - bei einem psychisch gesunden Menschen - immer eine freie Entscheidung. Jedes Mal.

Beate Walter-Rosenheimer Bild