Die Bundesregierung versagt im Kampf gegen multiresistente Keime. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf drei schriftliche Fragen von Beate Walter-Rosenheimer hervor, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Ziel der Antibiotikaresistenzstrategie (DART) war es, dauerhaft einen restriktiven Einsatz antibiotischer Wirkstoffe in allen relevanten Bereichen herbeizuführen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Obwohl seit dem Jahr 2009 beispielsweise eine Meldepflicht für Infektionen mit antibiotika-resistenten MRSA-Erregern besteht, kommt es noch immer jedes Jahr zu tausenden Infektionen. Jeder 13. Patient stirbt an den Folgen einer MRSA-Infektion. Auch wenn die Zahl der MRSA-Infektionen leicht rückläufig ist, bilden andere Bakterien immer häufiger Resistenzen. Der Politik muss das ein Weckruf sein.

Besonders alarmierend ist, dass der Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin seit Jahren auf viel zu hohem Niveau stagniert. Von einem nennenswerten Rückgang kann keine Rede sein. Die inflationäre Vergabe von Antibiotika in Krankenhäusern und Arztpraxen nach dem Motto „viel hilft viel“ muss sich endlich ändern.

Die Bundesregierung selbst verweist in ihrer Antibiotika-Resistenzstrategie darauf, dass Ärzte bei bis zu 80 Prozent der Atemwegsinfektionen Antibiotika verordnen, obwohl diese in der Regel durch Viren verursacht werden. Antibiotika sind hier generell wirkungslos. Aber auch nicht jeder Schnupfen muss mit einem Antibiotikum behandelt werden. Im Gegenteil: Antibiotika sind wichtige Lebensretter. Damit das so bleibt, müssen sie mit großer Sorgfalt eingesetzt und Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern streng eingehalten werden.

Im Kampf gegen multiresistente Keime ist ein lückenloses Monitoring des stationären Verbrauchs unverzichtbar. Krankenhäuser sind in Deutschland seit dem Jahr 2011 gesetzlich verpflichtet, die Vergabe von Antibiotika zu dokumentieren. Die Ergebnisse dieses Monitorings bleiben aber meist im Verborgenen. Es ist unverantwortlich, dass die große Koalition diese Transparenz nicht einfordert und Krankhäuser ohne externe Kontrolle gewähren lässt.

Wirksame politische Maßnahmen gegen den inflationären Einsatz von Antibiotika sind nur möglich, wenn Transparenz besteht. Ansonsten bleibt die gesetzliche Regelung ein wirkungsloses Feigenblatt. Krankenhäuser müssen gesetzlich verpflichtet werden, die Verbrauchsdaten an eine übergeordnete, zentrale Datenbank zu übermitteln.   

Auch in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung muss eine Kehrtwende bei der Antibiotikavergabe stattfinden. Anstatt Hühner und Schweine wahllos mit Pillen vollzupumpen, muss die Bundesregierung endlich eine Rückkehr zur bäuerlichen Landwirtschaft vorantreiben. Dazu gehören auch klare gesetzliche Regeln für eine artgerechte Tierhaltung. Industrielle Massenzucht und billige Fleischberge gefährden das Wohl von Mensch und Tier. Bestimmte Reserveantibiotika müssen zudem dem Mensch vorbehalten bleiben, damit diese im Notfall nicht versagen.

Beate Walter-Rosenheimer Bild