Deutscher Bundestag

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„Alarmismus und Sensationalismus sind oft alles andere als produktiv, weil sie zu Überforderungsgefühlen und nicht zum Handeln führen.“
Diesen Satz hab ich gerade gelesen beim Stöbern in ein paar umweltpsycholgischen Arbeiten und Artikeln zum Thema Klimawandel, die untersuchen, warum Menschen den Klimawandel zwar sehen, selbst aber nicht handeln oder ihn gleich ganz leugnen. Die Aussage passt auch sehr gut zum Leugnen der Gefahren durch Covid-19.
 
„Die Zahlen, sie scheinen nicht zusammenzupassen. Zum Beispiel beim Fliegen: Fast die Hälfte der Deutschen kann sich vorstellen, der Umwelt zuliebe auf Flugreisen zu verzichten. Trotzdem steigt die Zahl der Flugreisen weiter an. Oder beim Fleisch: Gut 60 Prozent wären bereit, deutlich weniger davon zu essen, doch der Fleischkonsum in Deutschland bleibt konstant. Man sieht es auch bei großen Autos: Ein Viertel der Deutschen wäre dafür, SUVs komplett zu verbieten. Aber die Spritschlucker boomen im Verkauf.“ Maria Fiedler hat das im Tagespiegel sehr gut beschrieben.
 
Für unser Handeln in der Politik stellt sich neben dem politisch Erforderlichen, also der Frage, wie gießen wir Erkenntnisse in Gesetzentwürfe oder Anträge, immer auch die Frage, wie nehmen wir Menschen mit?

corona 5174671 1920Heute mal als klinische Psychologin betrachtet, nicht als Politikerin. Psychologische Erkenntnisse sind aber ja gerade für uns politische Entscheidungsträger*innen relevant.

Das Auftreten von Verschörungstheorien ist in Zeiten großer Unsicherheit - wie zum Beispiel einer Pandemie mit vielen offenen Fragen - keine Seltenheit. Derzeit kann man sie verstärkt beobachten. Mein Kollege, der klinische Psychologe Dr.Steven Taylor, Professor an der University of British Columbia in Vancouver, hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Christin Schörk von report psychologie, der Fachzeitschrift des bdp (Bund deutscher Psychologen) berichtet aktuell darüber. Es mutet schon fast seltsam an: Taylor hat zwei Jahre lang an einem Buch gearbeitet „The Psychology of Pandemics“. Im Dezember 2019 wurde es veröffentlicht. Also zufällig zum Start der Covid19-Pandemie. Was man dort im letzten Kapitel über eine „mögliche nächste Pandemie“ lesen kann, mutet fast prophetisch an. Ein „wertvoller Zufall“.

Kurz und knapp zum Inhalt: ein Großteil des Buches beschäftigt sich ".....mit den emotionalen Reaktionen, die in Zeiten einer Pandemie zu erwarten seien und die von Gleichgültigkeit oder Leugnung über Distress und Angst bis hin zu Fatalismus reichen können.“ Die allermeisten Menschen sind durch so etwas wie die Pandemie besorgt, zunächst leicht geängstigt und gestresst, können sich dann aber gut der Situation anpassen. Sie sind dann auch kognitiv in der Lage das aktuelle Geschehen zu bewerten und einzuordnen. Einige Menschen aber können das nicht.

200812 jugenddemo flickrFoto copyright: Marco Verch/flickr.com
Zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August erklärt Beate Walter-Rosenheimer, Sprecherin für Jugendpolitik:

Das letzte Viertel der Wahlperiode ist angebrochen. Was hat sich für Jugendliche in Deutschland seit der letzten Bundestagswahl 2017 verändert? Der Internationale Tag der Jugend ist eine gute Gelegenheit ganz nüchtern Bilanz zu ziehen. Und die fällt ernüchternd aus.

Das Jahr 2020 war bisher für Jugendliche kein einfaches: Corona-Lockdown, Homeschooling, keine Treffen mit Freunde und Freundinnen, verschobene Schulabschlüsse, Schwierigkeiten Praktika zu finden, Auslandsreisen, die ins Wasser fielen. In verschiedenen aktuellen Umfragen wie der Jugendstudie des Sinus-Instituts haben junge Menschen zum Ausdruck gebracht, was sie in diesen Zeiten wirklich bewegt. Deutlich wurde dabei, dass sich viele zwar medial gut repräsentiert sehen, von der Politik allerdings nicht gehört und schon gar nicht beteiligt fühlen.

Die verantwortliche Bundesministerin Giffey hat – was Jugendliche betrifft – diese Wahlperiode nahezu komplett verschlafen.

Beate Walter-Rosenheimer Bild