Deutscher Bundestag

Aus eigener leidvoller Erfahrung engagiert sich Christian Naumann jetzt bei SchLAu NRW. Dies ist ein Netzwerk von verschiedenen Aufklärungsteams in Nordrhein – Westfalen, das sich zur Aufgabe gemacht hat über Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans* zu reden. Slogan der Gruppe ist: „Damit nicht mehr über uns geredet wird, sondern mit uns." SchLAu besucht Schulen, Jugendzentren und andere Bildungseinrichtungen, um Homophobie durch Information abzubauen.

Als nächstes referierte Conny Kempe-Schälicke über die Situation. Sie ist zuständig für die Umsetzung der Senatsagenda „Sexuelle Vielfalt" in den Bereichen Schule, Kinder- und Jugendhilfe.
Sie führte an, dass oft Unwissenheit im Spiel ist, es gerade bei diesem Thema erhebliche Bildungslücken gibt. Obwohl sich ca. 10 Prozent der Jugendlichen aus der 9. und 10. Klasse gleichgeschlechtlich angezogen fühlen, wissen 9 von 10 Lehrkräften nicht, dass homosexuelle Jugendliche öfter suizidgefährdet sind.
Sie stellt fünf Sofortmaßnahmen vor, die das Schulklima und die Situation der Betroffenen sofort verbessern würden. Es braucht an Schulen:
1. Ansprechpersonen
Wenn möglich schwule und/oder lesbische Lehrkräfte.
2. Intervention
Pädagogisches Personal muss bei Angriffen, sowohl verbaler als auch körperlicher Art, intervenieren.
3. Sichtbarkeit
Plakate in die Schulen, Aufklärungsmaterial, aber auch Aufgaben, die sich auf gleichgeschlechtliche Lebensformen beziehen.
4. Partizipation
Kinder und Jugendliche mit einbeziehen. Miteinander reden, statt übereinander.
5. Umfassende Sexualerziehung

Als dritte Expertin kam Melanie Bittner zu Wort, die Ergebnisse ihrer Studie über die Darstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender darstellte.
Und auch da fiel das Ergebnis eher erschreckend aus. Obwohl der Einfluss von Lehrmaterial großen Einfluss auf den Unterricht hat, finden andere Lebensformen praktisch nicht statt. Heteronormativität dominiert den Schulalltag. Frau Bittner stellte dar, dass dies das Weltbild von Schülern und Schülerinnen unterschwellig sehr maßgeblich mit beeinflusst. Und das obwohl Schulbücher nicht diskriminieren dürfen, sondern vielmehr verpflichtet sind Gleichstellung zu fördern.
Das Problem hierbei ist, dass Bildung Ländersache und deshalb schwer einheitlich politisch zu regeln ist.

Einigkeit herrschte bei allen ExpertInnen darüber, dass Aufklärung zu mehr Offenheit und Toleranz möglichst früh, also am besten bereits in Kindergärten und Kitas beginnen sollte.
Denn Diskriminierung queerer Jugendlicher durch Mitschüler muss von den Schulhöfen verschwinden.

Zu diesem Thema hatte Beate Walter-Rosenheimern mit andere MdBs der Grünen Fraktion bereits im Februar 2013 einen Antrag "Queere Jugendliche unterstützen" eingebracht.
Lesen Sie den ganzen Antrag hier

 

Beate Walter-Rosenheimer Bild