Gute Ganztagsschulen, sozial und kulturell durchmischte Klassen und gut ausgebildetes Personal, das mit einem motivierenden Leitungsstil zum Lernen ermutigt. Die PISA-Sonderauswertung zu den Leistungen benachteiligter Schülerinnen und Schüler weist damit den Weg, den die deutsche Bildungspolitik in den nächsten Jahren gehen muss. Denn die Studie macht auch klar, dass Deutschland trotz der erfreulichen Verbesserungen bei der Chancengerechtigkeit noch immer Nachholbedarf hat.

Dass benachteiligte Jugendliche heute bessere Bildungschancen haben als noch vor 10 Jahren nach dem „PISA-Schock“, ist auch ein Erfolg grüner Politik, die mit der ersten rot-grünen Ganztagsinitiative 2004 einen wichtigen Grundstein für mehr Bildungsgerechtigkeit gelegt hat. Grundsätzlich gilt: grün mitregierte Länder stehen in Sachen Ganztag schon heute deutlich besser da. Während beispielweise in Hamburg bereits 88 Prozent der SchülerInnen Ganztagsschulen besuchen, sind es in Bayern lediglich 15 Prozent. Das ist zu wenig, denn Ganztag ist nicht nur gut für die Lernerfolge von benachteiligten Jugendlichen, wie die OECD-Auswertung zeigt, auch die meisten Eltern wollen ihn.

Die Empfehlungen der OECD müssen sich jetzt auch im Koalitionsvertrag niederschlagen. Statt blumiger Ankündigungen braucht Deutschland handfeste Investitionen in Bildung. Dazu gehört ein neues Ganztagsschulprogramm über vier Milliarden in den nächsten vier Jahren. Nur so können die zarten Erfolge der vergangenen Jahre gesichert und Bildungsgerechtigkeit weiter ausgebaut werden. Auch der CSU sollte langsam dämmern, dass eine moderne Gesellschaft gute Ganztagsschulen braucht, die mehr bieten als reine Nachmittagsverwahrung.

Fest steht: Auf dem Weg zu umfassender Bildungsgerechtigkeit ist noch einiges zu tun. Das Kooperationsverbot muss vollständig abgeschafft werden. Dabei geht es nicht nur um die bundesseitige Finanzierung von schulischen Angeboten. Damit Deutschland in Zukunft wirkliche Bildungsrepublik wird, brauchen wir in der Bildungspolitik eine dauerhafte Kooperationskultur zwischen Bund und Ländern.

Beate Walter-Rosenheimer Bild